Tipp: Gefühle wahrnehmen

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Tipp: Gefühle wahrnehmen

Vaterschaft hat schöne und schwierige Seiten - aber auch diese verlieren ihren Schrecken, wenn Sie genau hinsehen, hinhören, hinfühlen.

Auch wenn Väter in gleicher Weise befähigt sind, Kinder zu versorgen und zu erziehen, gibt es doch ein Reihe geschlechtsspezifischer Unterschiede. Die immer wieder große und schwierige Diskussion, welche Unterschiede angeboren und welche anerzogen sind, soll hier nicht geführt werden. Fest steht jedoch, dass Frauen und Männer aufgrund ihrer biologischen Voraussetzungen unterschiedliche Zugänge zu Schwangerschaft und Geburt haben. Und viele meinen: Was die Wahrnehmung von Veränderungen und den Kontakt zum Kind in dieser Zeit angeht, seien Frauen hier deutlich im Vorteil.

Wahrnehmen und umgehen auch mit unerwünschten Gefühlen

Ihr Kind wächst im Bauch Ihrer Partnerin, sie wird es - sicher mit Ihrer Hilfe - zur Welt bringen und es wahrscheinlich auch stillen. Manche Männer sehen sich dadurch klar im Nachteil. Doch gerade, wenn Sie neidisch werden und sich ausgegrenzt fühlen, ist es an der Zeit, diese Gefühle nicht beiseite zu schieben, sondern mit Ihrer Partnerin und/oder mit guten Freunden, die vielleicht bereits Väter sind, zu bereden. Was verändert sich für Sie? Was befürchten Sie? Wodurch fühlen Sie sich "in die zweite Reihe" versetzt? Es ist wichtig, auch diesen, eher als negativ bezeichneten Gefühlen zu Ihrer Vaterschaft Raum zu geben. Gefühle und Wahrnehmungen, die nicht anwesend sein dürfen, können auch nicht weggehen. Sie sind aber unterschwellig vorhanden, lassen sich nicht einfach verscheuchen und suchen sich eigene Wege zu Ihnen. Wenn Sie sie lange ignorieren oder unterdrücken, können sie sich in Wutausbrüche und Aggressionen verwandeln und sie können Sie im Aufbau einer liebevollen Beziehung zu Ihrem Kind behindern.

Also: Richten Sie den Blick auch einmal auf die "Schattenseiten" Ihres Vaterwerdens. Es besteht nicht nur aus reiner Freude. Ihre Partnerin und Sie kreisen nicht mehr nur um sich selbst, sondern Sie erleben den wahrscheinlich massivsten, aufregendsten, Angst machendsten, aber auch schönsten Umbruch in Ihrem Leben.

Von der Wahrnehmung in die Aktion

Das Wahrnehmen von ungewohnten Veränderungen in Ihrem Übergang zur Vaterschaft - alle Phasen rund um Schwangerschaft, Geburt und erste Zeit mit Kind - und das Reden darüber sind die eine Seite der Medaille. Aber Sie können Ihre Befürchtungen auch ganz aktiv verändern und kreativ werden. Versuchen Sie bereits in der Schwangerschaft, mehr von Ihrem Kind mitzubekommen. Informieren Sie sich über seine Entwicklung während der Schwangerschaft, stellen Sie sich vor, wie es wächst, sich entwickelt und nehmen Sie in Gedanken Kontakt mit ihm auf. Sie können auch mit ihm reden und ihm bereits im Bauch Ihrer Partnerin etwas von sich und der Welt "da draußen" erzählen. Viele Anleitungen, wie sie Kontakt zu Ihrem Kind im Bauch Ihrer Partnerin aufnehmen können, finden Sie u.a. im "Papa-Handbuch" (Richter & Schäfer 2005).

Wahrnehmungen nach der Geburt

Auch nach der Geburt Ihres Kindes ist es wichtig, dass Sie gut auf sich achten! Was passiert in Ihnen? Welche Gefühle löst die doch meist recht plötzliche Anwesenheit dieser "dritten Person" in Ihrem Haushalt bei Ihnen aus?

Gerade in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt ihres Kindes haben viele Väter manchmal das Gefühl, "abgemeldet" zu sein, weil zuhause nichts mehr so ist wie früher. Mutter und Kind scheinen für Sie wie eine Einheit und mancher fühlt sich als "Eindringling" in dieser Idylle, zieht sich dann zurück und konzentriert sich lieber auf das, was er kennt, und das ist meistens die Erwerbsarbeit.

Viele Väter werden in dieser Zeit auch eifersüchtig auf ihr Kind. Nicht wenige drängen Ihre Partnerin, möglichst früh abzustillen, damit sie "ihre" Brust wieder für sich zum Schmusen haben und nicht länger ertragen müssen, dass die Mutter ihrem Kind in dieser Beziehungsphase körperlich mehr geben kann. Mehrere Studien haben diesen Zusammenhang zwischen der Einstellung des Vaters zum Stillen und dem tatsächlichen Stillerfolg und der Stilldauer nachgewiesen.

Und auch hier ist das "Patentrezept" wieder: Reden, Reden, Reden! Wenn Sie ein "Grummeln" im Bauch spüren: Gehen Sie ihm nach. Wenn Sie das Gefühl haben, Sie haben keine Zeit mehr für Zweisamkeit und Erotik mit Ihrer Partnerin: Suchen Sie gemeinsam Zeitnischen und laden Sie Ihre Partnerin zu einem schönen Abend ein, bei dem alles möglich sein kann, aber nicht sein muss, und der auch hin und wieder von Ihrem Kind unterbrochen werden darf. Das ist viel Erfolg versprechender, einladender und lustvoller als frustrierte Vorwürfe, sie würde sich ja nur noch um das Kind kümmern. Dieser Zugang erstickt die Lust meist im Keim.

Ihre Zeit mit Kind

Gegen Eifersucht auf Mutter und Kind hilft am besten, wenn Sie sich selbst Zeit und Raum mit Ihrem Kind verschaffen. Das geht auch in der Stillzeit, in den Stillpausen oder mit abgepumpter Milch. Sprechen Sie mit Ihrer Partnerin Vater-Kind-Zeiten ab. Die Entlastung wird auch ihr gut tun und der intensive Kontakt mit Ihrem Kind wird Sie für manches entschädigen, denn letztlich geben Sie nicht nur einen Teil Ihres "alten" Lebens auf, Sie bekommen auch eine ganze Menge neues Leben hinzu geschenkt.

Hilfe von außen

Gut, manchmal hilft auch reden nicht, oder Sie haben das Gefühl, weder einen Zugang zu sich noch zu Ihrer neuen Situation als Vater zu finden. Scheuen Sie sich nicht, in solchen Situationen, in denen Sie sich frustriert, deprimiert oder wütend fühlen, Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen. Eine Liste mit Beratungsstellen, die auch auf die Bedürfnisse von Vätern ausgerichtet sind, finden Sie unter Beratung.

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