Vaterrolle: Eine neue Rolle im Leben erlernen

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Vaterrolle: Eine neue Rolle im Leben erlernen

Geschafft! Mutter und Kind sind wohlauf! - Aber wer fragt nach dem Vater?

Um von Anfang an zu einem Trio zusammenzuwachsen, ist es wichtig, dass alle in der neuen Familie ihre Position finden. Leider sieht es in den ersten Jahren mit Kind oft so aus, dass Mutter und Kind eine enge Beziehung entwickeln und der Vater sich wenig integriert fühlt. Eine klassische Rollenverteilung mit dem Vater als Alleinernährer begünstigt jedoch eher das Gefühl, als Satellit um Mutter und Kind zu kreisen.

Väter, die viel abwesend sind, erleben nach einer ersten Zeit der Euphorie oft, dass es ihnen schwer fällt, eine eigene intensive Beziehung zum Kind aufzubauen. Sie werden häufig eifersüchtig und konkurrieren mit ihrem Kind um die Gunst der Mutter - eine für die gesamte Familie belastende Situation.

Von Anfang an dabei!

Wie wichtig und hilfreich es auch für Ihre Beziehung zu Ihrem Kind und Ihrer Partnerin ist, die Schwangerschaft aktiv zu begleiten, haben Sie sicher schon unter "Vater werden" gelesen. Und: Ihre Bedeutung wächst mit der Geburt Ihres Kindes ganz gewaltig! Seien Sie deshalb von Anfang an möglichst viel bei Ihrer Partnerin und Ihrem Kind. Suchen Sie mit Ihrer Partnerin einen Geburtsort, an dem auch Sie als Vater willkommen sind und Raum haben. Manche Kliniken bieten mittlerweile Familienzimmer an und auch bei ambulanten oder außerklinischen Geburten haben Sie die Möglichkeit, direkt nach der Geburt so lange als Familie zusammen zu sein, wie Sie es möchten. Denn es ist ganz besonders wichtig, von Beginn an eine wirkliche Dreier-Beziehung aufzubauen und die Phase des "Bondings" (engl.; etwa: "fest verbinden") direkt nach der Geburt zu nutzen, um gemeinsam mit Ihrer Partnerin eine Beziehung zu Ihrem Kind aufzubauen.

Väter, die diese enge Bindung nicht direkt aufbauen konnten oder denen als Besucher, mitunter sogar "Zaungast" im Krankenhaus der kontinuierliche Kontakt mit Ihrem Kind fehlt, entwickeln oft das Gefühl, nicht richtig dazu zu gehören. Sie fühlen sich in der engen Beziehung, die Mutter und Kind nun miteinander begonnen haben, außen vor, werden leicht eifersüchtig und haben klare Nachteile in Ihrer Sicherheit im Umgang mit ihrem Kind.

Nehmen Sie sich Zeit!

Auch wenn es in den ersten Tagen und Wochen, die Sie als junge Familie zuhause sind, sehr viel zu erledigen gibt, nehmen Sie sich so viel Zeit wie möglich für Ihre neue "Dreisamkeit". Achten Sie auch auf Ihre Belastbarkeit, vor allem auch dann, wenn sich Verwandte und Bekannte wie selbstverständlich bei Ihnen einladen wollen, um Ihr Kind zu begrüßen. Weniger ist hier oft mehr. Schützen Sie Ihre Partnerin, Ihr Kind und sich selbst also vor zu vielen "Eindringlingen".

Nutzen Sie das Wochenbett, um sich weiter aneinander zu gewöhnen. Bitten Sie Besuch, den Sie empfangen möchten, Sie im Alltag zu entlasten, etwas einzukaufen, einen Kuchen mitzubringen oder Ihnen beim Putzen zu helfen - so gewinnen Sie Zeit für Ihre neue Rolle als Vater.

Achten Sie von Anfang an darauf, dass auch Sie selbst eine intensive Beziehung zu Ihrem Kind aufbauen: Das ideale Bild des Trios nach der Geburt eines Kindes ist das des Dreiecks - alle können sich sehen und haben Kontakt zueinander. Damit dieses Dreieck sich entwickeln kann, brauchen Sie aber nicht nur Zeit. Es ist auch hilfreich, wenn Sie mit Ihrer Partnerin absprechen, wer wann welche Aufgaben für Ihr Kind übernimmt. So ist klar, dass auch Sie ihren festen Vater-Kind-Bereich haben und nicht alles dem traditionellen "Mutter-Kind-Schema" folgt, in dem für den Vater als enge Bezugsperson für Baby und Kleinkind wenig Spielraum bleibt.

Annehmen und Loslassen

Ihr Wunsch und das Ausschöpfen Ihrer zeitlichen Möglichkeiten sind eine wichtige Voraussetzung um Ihre Rollen und Aufgaben als aktiver Vater anzunehmen und auszufüllen. Nun fehlt nur noch die Bereitschaft Ihrer Partnerin, Sie eine eigenständige Beziehung zu Ihrem Kind aufbauen zu lassen. Dazu braucht es Vertrauen und Zutrauen in Sie als Vater und Partner und dafür ist es auch sehr hilfreich, wenn Sie sich bereits in der Schwangerschaft darüber ausgetauscht haben, wie Sie beide sich die Erziehung, Betreuung und Pflege Ihres Kindes vorstellen. Seien Sie beide auf der "Höhe", was die Säuglingspflege angeht und besuchen Sie in der Schwangerschaft gemeinsam einen entsprechenden Kurs.

Wenn Sie beide akzeptieren können (und sich darauf freuen!), dass Sie sich auch beide gut um Ihr Kind kümmern können - abgesehen davon, dass Sie als Vater es nicht stillen können -, Sie Zeit und Raum mit Ihrem Kind finden und wertschätzen, dass Sie zwar beide alles gut, aber nicht gleich machen, dann sind Sie auf dem Weg zu einer "echten Triade", in der sich niemand über längere Zeit als störend fühlen muss.

Sowohl Sie als auch Ihre Partnerin und Ihr Kind haben dabei sehr viel zu gewinnen: Neue Erfahrungen, neue Freiheiten, Ausgleich, Unterschiedlichkeit, Toleranz und Bereicherung. Und: Eltern, die einen partnerschaftlich ausgewogenen Umgang mit ihrem Kind pflegen, sind zufriedener, entspannter, glücklicher und eher bereit, auch ihre Wünsche nach weiteren Kindern umzusetzen.

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