Noch zehn Jahre Sportkarriere in der ersten oder zweiten Liga wären für Handballer Matthias Karbowski drin gewesen. Er entschied sich anders: Er gründete eine Familie, machte sich mit einem Sport- und Physiotherapiezentrum selbstständig und spielt jetzt in der Oberliga. Mit vaeter-nrw.de sprach er darüber, warum er sich für diesen Weg entschieden hat.
vaeter-nrw.de: Herr Karbowski, Sie spielten früher in der ersten und zweiten Bundesliga Handball. Heute spielen Sie, obwohl Sie erst 26 sind, Oberliga. Warum?
Matthias Karbowski: Ich habe beim HSV in der Bundesliga gespielt und bin während meines Studiums zum Diplom Fitnessökonom dann zum TSV Altenholz - das ist in der Nähe von Kiel - in die zweite Liga gewechselt. Da meine Freundin und ich in Hamburg wohnen bleiben wollten, musste ich fast täglich 100 Kilometer hin- und zurück zum Training fahren.
Ich bin ein absoluter Familienmensch und für mich war schon immer klar, dass ich Kinder haben wollte. Als meine Freundin und ich erfuhren, dass wir Nachwuchs bekommen würden, wusste ich sofort, dass ich nicht beim TSV Altenholz bleiben würde. Schließlich will ich mein Kind abends auch mal ins Bett bringen können. Jetzt spiele ich beim SV Henstedt-Ulzburg, einem netten, sehr persönlichen Oberliga-Verein hier in der Nähe. Es war eine ganz bewusste Entscheidung den sportlichen Aufwand zu verringern und mehr Zeit für die Familie einzuplanen.
vaeter-nrw.de: Was hat sich durch Ihre Entscheidung für Familie und Vatersein verändert?
Matthias Karbowski: Jetzt dreht sich vieles um unseren Sohn, der Ende Juni auf die Welt gekommen ist. Damit haben wir ein vollwertiges Familienmitglied dazu bekommen und sind jetzt zu dritt. Das bedeutet zwar, dass wir nicht mehr so flexibel sind - einfach mal so ins Kino gehen, ist halt im Moment nicht drin - aber dafür freue ich mich jeden Tag darüber, diesen kleinen Menschen aufwachsen zu sehen.
Besonders genossen habe ich die allererste Zeit nach der Geburt. Ich hatte vier Wochen frei und konnte meine Zeit fast uneingeschränkt unserem Neuankömmling widmen. Schön waren für mich auch gerade die ersten Tage im Krankenhaus, wo wir uns im Familienzimmer einquartierten. Man hört ja immer wieder, dass Väter in der ersten Zeit nicht so viel mit dem Baby anfangen können. Das war bei mir gar nicht so. Diese Nähe von der Geburt an und die ersten vier Wochen Zuhause waren unsagbar wertvoll für meine Beziehung zu Jonas.
vaeter-nrw.de: Was machen Sie denn beruflich?
Matthias Karbowski: Ich bin seit Anfang Oktober zusammen mit zwei Kollegen selbstständig. Wir haben ein Zentrum eröffnet für Physiotherapie, medizinisches Fitnesstraining und Rehasport. Der Einstieg in die Selbstständigkeit kostet im Moment extrem viel Zeit. Ich möchte mein derzeitiges Arbeitspensum allerdings so schnell wie möglich reduzieren und bin mir auch sicher, dass das gut gehen wird. Meine Freundin macht jetzt erst einmal ein Jahr Elternzeit. Danach möchte sie wieder als Lehrerin arbeiten. Wir wollen uns eigentlich gerne sowohl das Geldverdienen als auch die Aufgaben in Familie und Haushalt teilen. Den Zeitpunkt für die Selbstständigkeit finde ich nicht unbedingt ideal. Ich hätte vielleicht gerne noch damit gewartet bis Jonas etwas älter ist. Aber wenn sich eine gute Möglichkeit bietet, muss man manchmal halt einfach durchstarten.
vaeter-nrw.de: Was sagt eigentlich Ihr Umfeld, zum Beispiel Ihre Handballerfreunde, dazu, dass Sie jetzt Vater sind?
Matthias Karbowski: Meine Sportskameraden hat das nicht überrascht. Ich habe nie damit hinter dem Berg gehalten, dass ich Familie haben möchte. Viele wussten also, dass das kommen würde. Die meisten haben auch Verständnis dafür, dass ich nun sportlich kürzer trete. Meinen Sohn habe ich natürlich auch schon vorgestellt. In unserem Freundeskreis sind alle total begeistert. Viele halten mich allerdings mit 26 für einen jungen Vater und haben noch keine Kinder. Aber vielleicht gibt es ja bald ein paar Spielkameraden.
vaeter-nrw.de: Gibt es einen Weg zurück in die erste oder zweite Liga, wenn Sie die sportliche Wehmut packen sollte?
Matthias Karbowski: Es gibt immer einen Weg zurück. Es ist zwar schon ein riesiges Leistungsgefälle zwischen der zweiten Bundesliga und der Oberliga. Aber wenn ich es wirklich wollte, könnte ich bestimmt an alte Leistungen anknüpfen und noch knapp zehn Jahre auf hohem Niveau Handball spielen. Aber das kommt für mich nicht in Frage. Für mich sind andere Dinge einfach wichtiger geworden. Ich will nicht mehr nach einem verpatzen Samstagsspiel sonntags zum Sondertraining antreten müssen, statt mit meiner Familie einen Ausflug zu machen. Da habe ich jetzt andere Prioritäten gesetzt.
vaeter-nrw.de: Haben Sie Tipps, die Sie gerne an andere Männer weitergeben möchten, die Vater werden?
Matthias Karbowski: Für mich waren besonders die ersten Tage nach der Geburt sehr intensiv. Ich würde, wenn ich als Mann die Möglichkeit habe, immer mit meiner Frau im Familienzimmer im Krankenhaus bleiben. Für uns als frischgebackene Familie waren diese ersten Tage sehr wertvoll, um uns gegenseitig kennen zu lernen. Ich würde auch nicht sofort zu viel Besuch einladen, sondern mich vielleicht erst einmal auf die neue Situation, mich selbst und die Familie besinnen. Das können sehr intime, unfassbar schöne Momente sein.
vaeter-nrw.de: Herr Karbowski, ganz herzlichen Dank für dieses offene Gespräch.