Mit einer sozialwissenschaftlichen Studie des Forschungsinstitut Sinus Sociovision über die unterschiedlichen Lebenssituationen und -anforderungen von Eltern greift die Konrad-Adenauer-Stiftung aktuelle Fragen auf, die für das Selbstverständnis von Eltern und deren Erziehungsverantwortung bedeutsam sind. Die Wissenschaftler interessierten sich dabei besonders für zwei Fragen: Wie geht es Eltern? Was brauchen Eltern?
Mit der Studie und ihren Ergebnissen möchte die Stiftung die Eltern- und Familienpolitik - und damit mittelbar auch Eltern selbst - stärker in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken. Denn mit der anhaltenden Diskussion etwa um Kindesvernachlässigung, Medienmissbrauch, Jugendkriminalität, Fehlernährung oder Sprachdefizite geht eine nicht selten nachhaltige Verunsicherung von Eltern einher, die auch Auswirkungen auf ihre Vorstellungen und Handlungsweisen haben. Diese Verunsicherungen gilt es zu überwinden - doch dazu bedarf es zuvor genauerer Beschreibungen heutiger Formen von Elternschaft, die sich in nur wenigen Jahrzehnten stark gewandelt hat. Zwar prägen Eltern noch immer maßgeblich das Lebensumfeld und die Entwicklung ihrer Kinder, doch spielen sie in der familienpolitischen Diskussion nur eine marginale Rolle - und geraten damit leicht aus dem Blickfeld", so Christine Henry-Huthmacher von der Stiftung.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, welchen teils dramatischen Anforderungen Eltern heute gegenüberstehen:
- Weil Elternschaft heute nurmehr als eine Option unter mehreren Lebensformen gilt, passen die spezifischen familiären Abhängigkeiten immer weniger in den gesellschaftlichen Mainstream, für den etwa Konstanz und Verlässlichkeit (zentrale Merkmale für die Erziehung von Kindern) keine besondere Bedeutung mehr hat – zugleich aber sind die Erwartungen an ein Gelingen moderner Elternschaft (Partnerschaftsfähigkeit und Erziehungskompetenz) hoch.
- Elternschaft ist "keine Solidargemeinschaft mehr", sondern "vielmehr ein Klärungsprozess, der allerdings nicht zu verstärkter Solidarität zwischen Eltern führt" (Henry-Huthmacher) - hier zeigt sich eine soziale Trennungslinie zwischen Eltern, die sich aktiv um ihre Kinder kümmern (bewusste Erziehung, intensive Förderung), und Eltern, die dies nicht tun (weil sie es nicht können oder wollen).
- Die eine Elterngruppe sieht sich vielmehr als in früheren Zeiten einem täglichen Organisations-, Leistungs- und Zeitdruck ausgesetzt - mit der Folge, dass sich ein Drittel der Befragten "oft" bis "fast täglich" im Erziehungsalltag gestresst fühlt.
- Die andere Elterngruppe erlebt vor allem Bildungsdruck, Erziehungsdruck, eine kaum zufrieden stellende Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch - vor allem "sozial schwache" Familien - einen finanziellen Druck, der den Alltag mit Kindern erschwert.
- Für beide Elterngruppen gilt überdies die Forderung der Arbeitgeber zu erhöhter Flexibilität und Mobilität, zugleich aber auch die (reale) Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes oder bereits eingetretene Erwerbslosigkeit - zusammen genommen hohe Erwartungen, mit denen sich viele gleichzeitig alleine gelassen sehen.
- Väter finden sich in einem modernen Dilemma wider: "Der Wandel des Rollenbildes vom Ernährer zum Erzieher kollidiert im Familienalltag mit den gestiegenen Ansprüchen im Berufsleben. Zwar sind die 'neuen Väter' heute häufig stärker in die Familienarbeit eingebunden als vor Dekaden noch ihre eigenen Väter, doch wächst gleichzeitig der Anteil derjenigen Väter, die aufgrund gestiegener Scheidungshäufigkeit und größeren beruflichen Einsatzes nur sehr wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen" (Henry-Huthmacher).
Was brauchen Eltern angesichts dieser Verhältnisse?
Die Autoren der Studie sind sich darüber im Klaren, dass es nicht das eine familienpolitische Rezept gibt, das allen Eltern gerecht werden kann. Die Studie zeigt aber Eckpunkte für eine Diskussion auf, die nicht auf finanzielle oder infrastrukturelle Maßnahmen reduziert werden dürfe:
- generell eine stärkere Wertschätzung und Anerkennung des elterlichen Lebenskonzeptes,
- die verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
- eine verbesserte Betreuungssituation auch in qualitativer Hinsicht,
- verbesserte öffentliche Bildungssysteme,
- ein breites Beratungsangebot,
- eine verbesserte finanzielle Wertschätzung.
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