"Gibt es auch für Väter ein Vereinbarkeitsproblem von Beruf und Familie?", fragte die Kölner Stadtverwaltung ihre Mitarbeiter. Peter Hoffstadt, Familienbeauftragter der Stadt war Initiator der repräsentativen Befragung. Vaeter-nrw.de sprach mit ihm über die wichtigsten Ergebnisse und Handlungsoptionen für eine väter- und mitarbeiterbewusste Personalpolitik in der Verwaltung.
vaeter-nrw.de: Was war der Anlass für die groß angelegte Väterbefragung bei den Beschäftigten der Stadt Köln?
Peter Hoffstadt: Mir liegen zwei Themen am Herzen, die ich mit der Befragung verbinden konnte. Die Gleichstellung von Frauen und Männern sollte nicht nur aus Frauen- sondern auch aus Männerperspektive gesehen werden. Außerdem liegt mir an einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen gerne Kinder bekommen und sich das auch zutrauen. Wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, wissen wir viel über die Bedürfnisse von Frauen. Mit der Befragung wollten wir einen besseren Einblick in die Wünsche und Vorstellungen der bei uns beschäftigten Männer zu diesem Thema erhalten. Wir wollten wissen, welcher Maßnahmen es bedarf, um die neue Väter-Generation zu unterstützen. Im März 2008 versandten wir daher einen Fragebogen an alle 6.529 Männer, die bei der Stadtverwaltung Köln beschäftigt sind. Die Fachstelle Familienbeauftragter des Amtes für Kinder, Jugend und Familie kooperierte bei der Umsetzung des Vorhabens mit dem Amt für Stadtentwicklung und Statistik sowie dem Personalamt.
vaeter-nrw.de: Wie war denn die Resonanz bei den Befragten?
Peter Hoffstadt: 1.999 Männer beteiligten sich schließlich an der anonymen Befragung. Die hohe Rücklaufquote von rund 30 Prozent ist für uns ein Indiz dafür, dass das Interesse bei den Vätern und denen, die es werden wollen, groß ist. Es war also der richtige Ansatz, die Männer einmal explizit nach ihrer Meinung zum Vatersein und nach Vereinbarkeitsthemen zu fragen. Viele haben die Antworten sogar mit persönlichen Kommentaren versehen. Was für uns spannend war: Immerhin knapp 30 Prozent der Befragten hatten zum Befragungszeitpunkt (noch) keine Kinder. Zwei Drittel von ihnen schließen allerdings nicht aus, dass sie in Zukunft Kinder haben werden.
vaeter-nrw.de: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der Befragung?
Peter Hoffstadt: Unsere Befragung bestätigte, was auch aus anderen Untersuchungen bekannt ist. Der Unterscheid ist aber gleichzeitig groß: Denn hier haben unsere Mitarbeiter geantwortet. Es ist zum Beispiel spannend schwarz auf weiß zu sehen, dass schon 76 Prozent der Befragten nicht mehr nach dem traditionellen Bild des "Alleinernährers" leben. 60 Prozent unserer männlichen Beschäftigten wünschen sich egalitäre Modelle, in denen beide Elternteile Vollzeit oder Teilzeit arbeiten. Knapp die Hälfte der Befragten hätte nämlich gerne mehr Zeit für die Familie. Das spiegeln ihre Arbeitszeiten vielfach noch nicht wider. Wunsch und Wirklichkeit passen nicht zusammen. Das zeigt sich auch beim Elterngeld. Ein beachtlicher Teil der Befragten, nämlich 60 Prozent, ist zu den Themen Elterngeld und Elternzeit zwar bereits umfassend informiert und der überwiegende Teil der Mitarbeiter mit Kinderwunsch ist voll und ganz (56 Prozent) oder eher (32 Prozent) der Auffassung, dass die Elternzeit die beste Gelegenheit ist, die Bindung zum eigenen Kind zu intensivieren. Allerdings nennen fast alle Mitarbeiter, die sich ein (weiteres) Kind wünschen, als Grundvoraussetzung für eine eigene Babypause, dass es die finanziellen Bedingungen erlauben müssen (95 Prozent). Die finanzielle Absicherung der Familie bleibt also ein zentraler Bestandteil der "Versorgerrolle", in der viele Männer immer noch sind.
vaeter-nrw.de: Welche Maßnahmen wünschen sich die Männer konkret?
Peter Hoffstadt: Wir haben auch danach gefragt, welche Angebote in der Stadtverwaltung zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewünscht wären bzw. aktuell erfolgreich genutzt werden. Die jüngeren Mitarbeiter bis 35 Jahre nennen hier vorrangig Teilzeitarbeit, Betriebskindergarten, Weiterbildungsmöglichkeiten in der Elternzeit sowie Beratungsleistungen zu Fragen der Kinderbetreuung. Mitarbeiter über 35 geben der flexiblen Arbeitszeit- und Arbeitsortgestaltung einen besonders hohen Stellenwert. Das deckt sich mit den Aussagen der Beschäftigten, die bereits eine eigene Familie haben. Zudem wünscht sich mehr als die Hälfte der Mitarbeiter über 35 Jahre Beratungsangebote zu den verschiedensten Themen, wie Pflege von Angehörigen, Kinderbetreuung oder Väterberatung.
vaeter-nrw.de: Was folgt daraus für die Väter? Sind väterspezifische Maßnahmen in der Stadtverwaltung geplant?
Peter Hoffstadt: Natürlich werden die Ergebnisse und unsere daraus resultierenden Handlungsempfehlungen für eine väter- und mitarbeiterorientierte Personalpolitik in der Kölner Stadtverwaltung diskutiert. Wir müssen etwas für die Akzeptanz bei der Inanspruchnahme von Teilzeitarbeit und Tele- bzw. Heimarbeit tun. Dazu gehört auch die Sensibilisierung und Information der Vorgesetzten über die Möglichkeiten bei der Stadtverwaltung und bestehende Rechtsansprüche. Wir empfehlen den Auf- und Ausbau des Weiterbildungsprogramms für Beschäftigte in Elternzeit. Und wir müssen auch über flexible Betreuungsmöglichkeiten für Kinder der Mitarbeiter nachdenken. Ein zentraler Punkt ist für mich die Information und Beratung von (werdenden) Vätern. Auch Männer brauchen einen Gleichstellungsbeauftragten, der sie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie berät. Flankierend ist der Aufbau eines Intranetportals sinnvoll, das sämtliche familienorientierten Dienstleistungen inklusive Informationen zur Pflege von erkrankten Angehörigen für die Beschäftigten zusammenstellt und Ansprechpartner auflistet. Um die interne Kommunikation für eine familienorientierte Unternehmenskultur zu fördern, schwebt uns vor, einen "Tag der Familie" für städtische Beschäftigte zu institutionalisieren.
Als einen ersten Schritt in diese Richtung freue ich mich darüber, dass das Amt für Gleichstellung seit neuestem das Angebot der Informationsreihe "Lunch Pakete" auf Männer- und Väterthemen ausgeweitet hat. Daraus hat sich bereits eine Gruppe von engagierten Vätern gebildet - ein möglicher Anfang für ein Väternetzwerk in der Stadtverwaltung.
Die Zusammenfassung der Befragungs-Ergebnisse als Download.
Eine Broschüre zur Befragung kann unter familienbeauftragter@stadt-koeln.de bestellt werden.