Praxis: Väterbeirat im Landschaftsverband Rheinland

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Praxis: Väterbeirat im Landschaftsverband Rheinland

Verena_Maeckle-Schaefer_100Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) mit Zentralverwaltung in Köln beschäftigt rund 15.000 Menschen. Der LVR ist Träger von Förderschulen, Kliniken sowie Museen und ist unter anderem in der Behinderten- und Jugendhilfe tätig. Um als familienfreund­licher Arbeitgeber auf die Belange von Vätern noch besser eingehen zu können, initiierte die Leiterin der LVR-Stabsstelle Gleichstellung und Gender Mainstreaming, Verena Mäckle-Schäfer, Anfang des Jahres einen Väterbeirat. Vaeter-nrw.de sprach mit ihr darüber.

Vaeter-nrw: Was ist denn ein Väterbeirat? Welche Aufgaben hat er?

Verena Mäckle-Schäfer: Wir verstehen den Beirat quasi als Auftraggeber, dem wir als Dienstleisterin zuarbeiten. Im Beirat sind sechs Männer vertreten, die alle hier beim LVR beschäftigt und selbst Väter sind. Sie kommen aus unterschiedlichen Bereichen – das fanden wir wichtig. Es sind zwei Männer mit Führungs­verantwortung, jemand aus der Öffentlichkeitsarbeit, ein Personaler, ein Vertreter aus dem Landesjugendamt und ein Personalrat vertreten. Die Mitglieder des Beirats versorgen uns mit Informationen, welche Bedürfnisse und Wünsche die Väter im LVR haben, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Außerdem sind sie Vorbilder und Multiplikatoren. Sie tragen dazu bei, dass Vaterschaft im Berufsalltag sichtbarer wird und auch andere Männer ihre Wünsche formulieren. Wir stellen nämlich fest, dass Vorgesetzte und Kollegen häufig gar nicht mitbekommen, wenn ein Mann Vater wird.

Vaeter-nrw: Welche Arbeitsaufträge hat Ihnen denn der Beirat gegeben?

Verena Mäckle-Schäfer: Wir planen im Moment eine Mitarbeiterbefragung in einigen auswählten Arbeitsbereichen, um noch ein genaueres Bild von der Bandbreite der Problemstellungen zu bekommen, die sich für Väter ergeben, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren wollen. Ganz wichtig war den Vätern im Beirat der unkomplizierte Zugang zu Informationen. Wir werden dafür eine Info-Plattform im LVR-internen Intranet aufbauen. So können die Menschen an den unterschiedlichen Standorten einfach auf die Daten zugreifen. Die Männer möchten dort vor allem arbeitsbezogene Sachinformationen finden, zum Beispiel zu den Möglichkeiten, die der LVR ihnen bietet: Teilzeitmodelle, flexible Arbeitszeiten, Teleheimarbeit oder auch ein Eltern-Kind-Büro, in das der Nachwuchs bei Betreuungsengpässen mitgebracht werden kann. Zusätzlich zur internen Informations­plattform überlegen wir, einen externen Dienstleister zu beauftragen, der unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Vereinbarkeitsthemen berät. Auch eine Unterstützung bei der Kinderbetreuung ist geplant.

Was die Väter sich vor allem wünschen, ist eine größere Akzeptanz. Bei den Müttern wird oft vorausgesetzt, dass sie sich um ihr Kind oder die Kinder kümmern, ihre Arbeitszeiten reduzieren und mit dem Arbeitgeber besprechen, wie sich beide Aufgabenbereiche koordinieren lassen. Für Männer ist das noch kein gängiger Prozess. Wenn sie Vereinbarkeitswünsche formulieren, sind sie oft die ersten in ihrem Umfeld und haben Eisbrecherfunktion. Wie man vielfach liest, halten sich Männer auch zurück, weil sie negative Auswirkungen auf ihre berufliche Weiterentwicklung befürchten. Wer am Arbeitsplatz sein familiales Engagement deutlich kommuniziert, dem kann schnell mal weniger Motivation und Ehrgeiz im Job unterstellt werden. Damit sich eine andere Kultur etablieren kann, sind Vorbilder wie die Väterbeirats-Männer sehr wichtig.

Vaeter-nrw.de: Wie kam es eigentlich zu dem Beirat?

Verena Mäckle-Schäfer: Das war unsere Idee in der Stabsstelle Gleichstellung und Gender Mainstreaming. Der Auslöser war die stärker werdende Diskussion um Väter und ihren Wunsch, zuhause mehr Verantwortung zu übernehmen.

Vaeter-nrw.de: Welche Tipps würden Sie Institutionen und Unternehmen mit auf den Weg geben, die Ihre Väterbeiratsidee aufgreifen wollen?

Verena Mäckle-Schäfer: Das Unternehmen oder der Verband sollte sich auf Geschäftsführungsebene bewusst für väterfreundliche Personalpolitik entscheiden, damit alle Unternehmensbereiche diese Ausrichtung mittragen. Unser Verwaltungschef ist Schirmherr des Väterbeirats. Er hat zur ersten Sitzung eingeladen. Das war ein wichtiges Signal. Deshalb halte ich auch die breite Besetzung des Beirats mit Vätern aus allen Arbeitsbereichen für einen Erfolgsfaktor. Nur so erreichen Sie auch die gesamte Organisation.

Vaeter-nrw.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Mäckle-Schäfer.

 

Link: Internetseiten des Landschaftsverband Rheinland.

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